(Holt die) Kommunen an Bord!

Die Studiengruppe beim Besuch der stillgelegten Kohlemine in Barsinghausen

Wenn sich in diesen Tagen im weit von der georgischen Hauptstadt entfernt gelegenen Ort Chokhatauri unter dem Eindruck der Überschwemmungen in Tiflis eine zentrale Anlaufstelle gebildet hat, an der Hilfsgüter für die Opfer der Flut gesammelt werden, dann hat das auch mit Hannover, dem georgischen Botschafter in Deutschland und mit der Vision des Lebenslangen Lernens zu tun.

Auf Initiative und unter Leitung von DVV International hat sich im Mai eine Gruppe von elf Georgiern – unter ihnen Direktoren von drei Erwachsenenbildungszentren und mehrere Leiter unterschiedlicher georgischer Kommunen – auf den Weg in die niedersächsische Landeshauptstadt gemacht...

Um für mehr Unterstützung für die georgischen Erwachsenenbildungszentren zu werben, lud DVV International vom 17. bis zum 24. Mai 2015 Vertreter und Vertreterinnen der georgischen Kommunen zu einer Studienreise nach Niedersachsen ein.

Wenn sich in diesen Tagen im weit von der georgischen Hauptstadt entfernt gelegenen Ort Chokhatauri unter dem Eindruck der Überschwemmungen in Tiflis eine zentrale Anlaufstelle gebildet hat, an der Hilfsgüter für die Opfer der Flut gesammelt werden, dann hat das auch mit Hannover, dem georgischen Botschafter in Deutschland und mit der Vision des Lebenslangen Lernens zu tun.

Auf Initiative und unter Leitung von DVV International hat sich im Mai eine Gruppe von elf Georgiern – unter ihnen Direktoren von drei Erwachsenenbildungszentren und mehrere Leiter unterschiedlicher georgischer Kommunen – auf den Weg in die niedersächsische Landeshauptstadt gemacht. Dort wurden sie im Stephansstift empfangen. Das evangelische Zentrum für Erwachsenenbildung gestaltete auch das Programm für seine georgischen Gäste. Dieses sah unter anderem den Besuch mehrerer Volkshochschulen sowie des Landesverbands der Volkshochschulen Niedersachsens  und der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung vor. Ergänzt wurden die Besuche durch Vorträge von Expertinnen und Experten im Bereich der Erwachsenenbildung. So erläuterte zum Beispiel Johann Theessen, Referent des Stephansstifts, die Organisationsweise und den Aufbau der Erwachsenenbildung in Niedersachsen. Damit kam er einem der Anliegen nach, die die georgische Gruppe nach Deutschland geführt hatten: DVV International möchte durch seine regelmäßig durchgeführten Studienreisen nach Deutschland den Teilnehmenden der jeweiligen Länder einen Eindruck davon vermitteln, wie das Volkshochschulwesen in Deutschland funktioniert und wie es organisiert ist. Insbesondere die mitgereisten Direktoren dreier erst kürzlich gegründeter Erwachsenenbildungszentren konnten aus Deutschland Impulse und Anregungen für die Leitung ihrer eigenen Zentren mitnehmen.

Darüber hinaus kam es den Initiatoren von DVV International bei der Studienreise nach Hannover aber noch auf einen weiteren wichtigen Punkt an: Die mitgereisten Leiter georgischer Kommunen sollten sich ein Bild davon machen, wie eine enge Zusammenarbeit zwischen Volkshochschulen und Kommunen funktionieren und welche Früchte sie tragen kann. Bisher würden die Kommunen in Georgien die Arbeit der Bildungszentren gar nicht oder nur unzureichend unterstützen, berichtet Dato Jikia, Projektkoordinator von DVV International in Georgien und Reiseleiter der Gruppe. Das müsse sich schnellstmöglich ändern und die Studienreise bilde eine sehr gute Möglichkeit, um die kommunalen Vertreter von den positiven Wechselwirkungen einer engeren Zusammenarbeit mit den Erwachsenenbildungszentren zu überzeugen.

Am dritten Tag des Aufenthalts fuhr die Reisegruppe nach Berlin und wurde dort vom georgischen Botschafter in Deutschland empfangen. Während des mehrstündigen Treffens unterstrich der Botschafter nicht nur die wachsende Zusammenarbeit zwischen Georgien und Deutschland, er betonte auch den großen Erfolg des deutschen (Erwachsenen-)Bildungssystems und ermutigte die Leiter der georgischen Kommunen, die Arbeit der Bildungszentren in ihren Regionen stärker zu fördern und – vor allem auch finanziell – zu unterstützen.


Treffen mit dem georgischen Botschafter

Die Reise veranlasste die Kommunalvertreter, ihre zuvor oftmals skeptische Einstellung gegenüber den Anstrengungen für eine strukturiertere Erwachsenenbildung in ihrem Land zu überdenken. So sagte beispielsweise Gocha Dgebuadze, Leiter der Kommune in Senaki: „Wir haben gesehen, wie wichtig die Erwachsenenbildung ist, und das hat unsere Motivation gesteigert, diesem Bereich mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wir planen, das Erwachsenenbildungszentrum in Senaki zu unterstützen“.

Am letzten Tag besuchte die Gruppe die Volkshochschule Calenberger Land in Barsinghausen, einem 30.000 Einwohner-Städtchen. Beeindruckt zeigten sich die Gruppenmitglieder nicht nur von einer stillgelegten Kohlemine, sondern auch von der sehr gepflegten Umgebung der Kleinstadt, etwa der klaren Trennung von Natur und Bebauung, und der guten Einbindung der Volkshochschule in das Gemeinwesen. Spontan äußerte einer der georgischen Kommunalvertreter den Wunsch, Ähnliches auch in seiner Kommune in Georgien durchzusetzen. Dieses Beispiel, das zeige, wie aktiv selbst kleine Städte und Gemeinden in Deutschland am System der Erwachsenenbildung beteiligt wären, habe ihn stark inspiriert und motiviert, gab auch Irakli Kuchava, Leiter der Kommune von Chokhatauri, zu Protokoll. Ein weiteres Ziel von DVV International und seiner Partnerorganisation, dem Georgischen Netzwerk für Erwachsenenbildung (GAEN), rückt somit in greifbare Nähe: Die georgischen Kommunen  wollen sich verstärkt um die Verbesserung der Infrastruktur in ihren Regionen kümmern. Diese käme dann auch den Bildungszentren und seinen Besuchern zugute.


Besuch der Volkshochschule Calenberger Land

Die Reise sei nicht nur „gefühlt“ ein Erfolg gewesen, sondern habe auch schon erste konkrete Ergebnisse gezeitigt, weiß Reiseleiter Dato Jikia zu berichten. Einige Kommunen hätten bereits zugestimmt, ihre finanzielle Unterstützung für die Bildungszentren beizubehalten oder sogar aufzustocken. Außerdem planten sie, die von den Zentren durchgeführten Berufstrainings zu fördern und bei freiwerdenden Arbeitsstellen verstärkt auf Kursabsolventen zurückzugreifen. Positives gibt es auch vom Bildungszentrum in Koda zu berichten: Das undichte Dach der dortigen Einrichtung wird ausgebessert. Fünfzig Prozent der Kosten trägt dabei die Kommune und fünfzig Prozent ein ortsansässiger Geschäftsmann, der von der Kommune dafür gewonnen wurde.

In welchem Zusammenhang steht nun aber all das mit den anfänglich erwähnten Flutopfern und der für sie eingerichteten Sammelstelle für Hilfsgüter? Die Antwort ist einfach: Das Bildungs- und Begegnungszentrum in Chokhatauri zu einem zentralen Anlaufpunkt für die Fluthilfe zu machen, war eine Idee der dortigen Kommune, dessen Leiter der bereits erwähnte Irakli Kutchava ist. Den Aufruf, die Bildungszentren als  gesellschaftliche Anlaufstellen zu nutzen, hat er gleich in die Tat umgesetzt, und ist über diese kurzfristige Hilfe hinaus davon überzeugt, dass sich schon innerhalb kurzer Zeit bedeutende Verbesserungen für die georgische Gesellschaft erzielen lassen – wenn man den Bildungsbedürfnissen der Bevölkerung mehr Beachtung schenkt.

Wie es scheint, war Hannover eine Reise wert!       

Die Autorin

Insea Kiderlen ist Projektassistentin im Regionalbüro von DVV International in Tiflis, Georgien.

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